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Geld & Zahlen

Liquidität vor Gewinn: Warum auch profitable Firmen in Geldnot geraten

Gewinn ist eine Rechengröße, Löhne und Lieferanten bezahlen Sie vom Konto. Warum beides auseinanderfällt und wie eine rollierende Planung über 13 Wochen Engpässe früh zeigt.

Von der Redaktion · 4 Min. Lesezeit

Kassenbuch, Taschenrechner und Unterlagen auf einem Schreibtisch am Abend.
Kassenbuch, Taschenrechner und Unterlagen auf einem Schreibtisch am Abend.Bild: mit KI erstellt

Ein Betrieb kann Monat für Monat Gewinn ausweisen und trotzdem eines Tages die Löhne nicht zahlen können. Das klingt widersprüchlich, ist aber eine Frage der Zeit. Der Gewinn zeigt, was Sie verdient haben. Die Liquidität zeigt, ob das Geld schon da ist, wenn Sie es brauchen.

Wo das Geld unterwegs hängen bleibt

Zwischen Gewinn und Kontostand liegen mehrere Stellen, an denen Geld feststeckt. Vier davon sollten Sie kennen.

Offene Rechnungen. Ihre Leistung ist erbracht, die Rechnung geschrieben. Das Geld kommt aber erst, wenn der Kunde zahlt. Zahlt er nach 60 statt nach 30 Tagen, finanzieren Sie ihn einen Monat länger. Rechnen Sie mit angenommenen 50.000 Euro Monatsumsatz. Zahlen alle Kunden einen Monat später, stecken rund 50.000 Euro zusätzlich bei ihnen fest.

Lager. Ware im Regal ist Geld, das Sie ausgegeben haben und das noch nicht zurückgekommen ist. Was seit Monaten liegt, bindet Mittel, die an anderer Stelle fehlen. Prüfen Sie deshalb regelmäßig, welche Artikel sich kaum bewegen.

Investitionen und Tilgung. Eine Maschine erscheint in der Gewinnrechnung über mehrere Jahre verteilt als Abschreibung. Zahlen Sie sie aus eigenen Mitteln, verlässt der Kaufpreis das Konto sofort. Ähnlich ist es bei Krediten: Die Tilgung schmälert den Gewinn nicht, den Kontostand aber Monat für Monat.

Steuern und Entnahmen. Steigt Ihr Gewinn, kann nach dem Steuerbescheid eine Nachzahlung kommen. Meist setzt das Finanzamt dann auch die künftigen Vorauszahlungen höher an. Legen Sie für Steuern deshalb laufend Geld auf einem eigenen Konto zurück. Und was Sie privat entnehmen, fehlt dem Betrieb ebenfalls.

Unterm Strich gilt: Ein Gewinn auf dem Papier bezahlt keine Löhne.

Wachstum kostet zuerst Geld

Besonders tückisch ist Wachstum. Stellen Sie sich einen Auftrag über 80.000 Euro netto vor. Material und Löhne von 60.000 Euro bezahlen Sie in den ersten beiden Monaten. Die Abnahme ist Ende des dritten Monats, der Kunde zahlt 30 Tage später. Auf dem Papier bleiben 20.000 Euro übrig. Bis das Geld eingeht, fehlen auf dem Konto aber zeitweise 60.000 Euro.

Je schneller ein Betrieb wächst, desto mehr Geld muss er vorstrecken. Volle Auftragsbücher und ein leeres Konto schließen sich deshalb nicht aus. Bei großen Aufträgen helfen Anzahlungen oder Abschlagszahlungen. Vereinbaren Sie diese vor Beginn der Arbeit, nicht erst, wenn das Geld knapp wird. Prüfen Sie vor jeder Zusage für einen großen Auftrag, ob Sie die Vorleistung tragen können.

Ein Gewinn auf dem Papier bezahlt keine Löhne.

Die rollierende Planung über 13 Wochen

Ein gängiges Werkzeug gegen solche Überraschungen ist die rollierende Liquiditätsplanung über 13 Wochen. Das entspricht ungefähr einem Quartal. Eine einfache Tabelle genügt dafür.

Jede Spalte steht für eine Woche. Oben tragen Sie den Kontostand zu Wochenbeginn ein. Darunter folgen alle erwarteten Einzahlungen, große Kunden einzeln. Dann kommen die Auszahlungen: Löhne, Miete, Lieferanten, Steuern, Zins und Tilgung, private Entnahmen. Ganz unten steht der Bestand am Ende der Woche. Er ist zugleich der Anfangsbestand der nächsten. Achten Sie besonders auf Wochen, in denen große Beträge zusammenfallen, etwa Löhne, Miete und eine Steuerzahlung.

Rollierend heißt: Nach jeder Woche ersetzen Sie deren Planzahlen durch die tatsächlichen und hängen hinten eine neue Woche an. So reicht Ihr Blick immer 13 Wochen nach vorn. Planen Sie vorsichtig. Setzen Sie Zahlungseingänge eher spät an und Ausgaben eher früh. Vergleichen Sie regelmäßig Plan und Wirklichkeit. Mit der Zeit werden Ihre Schätzungen genauer.

Wenn die Planung eine Lücke zeigt

Eine Lücke in Woche neun ist kein Drama, wenn Sie sie in Woche eins entdecken. Dann bleibt Zeit für Gegenmaßnahmen:

  • Rechnungen sofort nach der Leistung schreiben und überfällige Beträge anmahnen.
  • Lagerbestände abbauen, die sich nur langsam verkaufen.
  • Mit Lieferanten über längere Zahlungsziele sprechen.
  • Früh mit der Bank reden, solange Ihre Zahlen noch gut aussehen.
  • Mit dem Steuerberater klären, ob sich Vorauszahlungen anpassen lassen.

Tragen Sie jede Maßnahme in der Woche ein, in der sie wirkt. Erst dann sehen Sie, ob sich die Lücke wirklich schließt.

Ernst wird es, wenn Sie fällige Rechnungen nicht mehr bezahlen können. Zahlungsunfähigkeit ist ein Insolvenzgrund. Holen Sie dann sofort Rat bei Ihrem Steuerberater und einem Anwalt für Insolvenzrecht. Für Geschäftsführer einer GmbH gelten in dieser Lage strenge Pflichten und Fristen, bis hin zur persönlichen Haftung.

Dieser Beitrag entstand mit Unterstützung von KI.

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